«Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici» im Frankfurter Städel

Im Frankfurter Städel ist eine bemerkenswerte Schau zu sehen, «Maniera» , die sich der Kunst am Ende der Hochrenaissance am Übergang zum Barock widmet. Die beeindruckend ausgestattete Ausstellung konzentriert sich dabei besonders auf die Florentinischen Künstler Pontormo, Branzino und Rosso und kann mit bedeutenden Leihgaben aufwarten, die zum Teil Florenz und die Uffizien zum ersten mal verlassen haben, so wie Werken aus dem Louvre und sogar Schloss Windsor.
Die Epoche des Manierismus wurde von den Kunstkritikern oft etwas verächtlich übergangen. «The stylish style» nannte John Shearman es 1967 treffend. Nach der Perfektion eines Michelangelos, Leonardos und Raffaels wußte man nicht so richtig, was man mit dem oft seltsam Verdrehten, dem Gezierten, manchmal auch den Körper unnatürlich in die Länge ziehenden der Darstellungen anfangen sollte, dem Unbedingten Streben nach Originalität. Mit Plastiken, die Material und Schwerkraft zu trotzen scheinen. Das war auch einem Wettstreit geschuldet, Paragone genannt, den Benedetto Varchi in den 1540er ausgelöst hatte, mit der Frage, welche Kunst die edlere sei, die Malerei oder die Bildhauerei. Die Lösungen, die die jungen Künstler finden, die die Technik der Meister verinnerlicht hatten ( was man auch in der Ausstellung an den Zeichnungen sehen kann), sich zu emanzipieren und weiterzugehen, entbehren dabei oft nicht einer gewissen Komik. Die Frauen auf den Gemälden, und das ist neu, blicken den Betrachter direkt an, oft auch spöttisch oder blasiert und Maria ist nicht mehr die ätherisch Duldsame mit züchtig gesenktem Blick, sondern versprüht Leidenschaft und auch Ironie. Sehr gut verdeutlich wird das in der Ausstellung, indem links und rechts einer Mariendarstellung von Raffael Rosso Fiorentinos und Jacopo Pontornos Varianten von «Madonna mit Kind und dem Johannisknaben» hängen. Abgesehen davon, dass besonders die Kinderdarstellungen beider Künstler etwas sehr komisches, ja geradezu Groteskes haben, sehen wir «neue Marias» .

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Rosso Fiorentino. Madonna mit Kind und dem Johannesknaben. Um 1515

Der prägende Begriff der Kunst des Manierismus heißt «Sprezzatura», und die Sprezzatura ist es, die diese Epoche und diese Ausstellung so ungemein passend in unsere Zeit machen. Der Begriff definiert sich nämlich wie folgt: dem künstlichen, dem bewußten Sichselbst-Präsentieren den Anschein von Leichtigkeit und Spontanität, kurz Lässigkeit zu verleihen. Wem fielen da nicht sofort die Selbstdarstellungen in den sozialen Netzwerken ein? Agnolo Bronzinos «Bildnis des Andrea Doria als Neptun» mit seinem durchtrainierten nackten Oberkörper, seinem Bart und seiner coolen Pose unterscheidet sich in nichts vom heutigen «Hipster». Selbstverständlich entwickelt die Sprezzatura Spielregeln und Normen, die unbedingt einzuhalten sind, also zunächst zu kennen, zu entschlüsseln und dann einzustudieren sind. Und natürlich ist dies eine Beschäftigung für bürgerliche Kreise gewesen. Übrigens, dass Schoßhündchen als it-piece, finden wir bei den Manieristen auch erstmals. Das Städel kann hier mit einem Werk aus eigenem Bestand auftrumpfen, Agnollo Bronzinos «Bildnis einer Dame in rot» von 1533. Ein neues Motiv wird ebenfalls in die Kunstgeschichte eingeführt und zwar von Vasari «Die Toilette der Venus» von 1558, ebenfalls in der Schau zu sehen und ein Sujet, das in den folgenden Jahrhunderten prominent bleiben wird.

Die Ausstellung «Maniera. Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici» ist noch bis zum 5. Juni 2016 im Städelmuseum Frankfurt zu besichtigen.

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Giorgio Vasari „Die Toilette der Venus“ 1558

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